Homosexualität im baden-württembergischen Bildungsplan? Demo und Gegendemo in Stuttgart

Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg um Minister Winfried Kretschmann (Grüne) plant, das Thema sexuelle Vielfalt – also unter anderem Homosexualität – künftig verstärkt im Schulunterricht zu thematisieren. So weit, so gut.

Am Samstagmittag wurde auf dem Stuttgarter Schlossplatz jedoch gegen diese Pläne demonstriert – und auf dem Schillerplatz nur ein paar hundert Meter weiter fand glücklicherweise eine Gegendemo dazu statt. So sieht die aktuelle Berichterstattung auf stuttgarter-nachrichten.de (Text von der dpa) dazu aus. Und so hat der SWR (inklusive Video) berichtet.

Ich war zu Beginn der Demonstrationen zufällig vor Ort und habe ein bisschen dazu getwittert:

Nachtrag zu dem obigen Tweet (3. Februar, 20.55 Uhr):
Zwei wichtige Dinge gibt es zu anzumerken. Erstens habe ich mich verschrieben (es muss heißen: „Eure Kinder…“) und zweitens wohl auch verhört: Inzwischen nehme ich nämlich stark an, dass die Leute, die die Demo auf dem Schlossplatz gegen Homosexualität im Bildungsplan gestört haben, folgende Wörter gerufen haben: „Eure Kinder werden so wie wir – Eure Kinder werden alle queer!“ Dieser Ausruf war mir bislang unbekannt, er gilt aber offensichtlich als verbreiteter Antihomophobie-Demospruch. Wer den Begriff „queer“ nicht kennt, der sollte sich diese Erklärung anschauen.

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Der Stuttgarter Tatort – ein Premieren-Abend auf dem Schlossplatz

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Werden Richy Müller (links) und Felix Klare (rechts) abgelöst? Sind das hier – (von links) Jessica Buschmann, Henrik Lerch, Janina Buschmann, Marc Hippler – etwa die neuen Stuttgarter „Tatort“-Ermittler?

Eine besondere Veranstaltung gab es am Freitagabend in der Stuttgarter Innenstadt: Im Rahmen des SWR-Sommerfestivals wurde vor dem Neuen Schloss der neue Stuttgarter Tatort „Tote Erde“ gezeigt, der erst am 21. Oktober in der ARD ausgestrahlt wird.

Für 7,45 Euro (5,95 Euro fürs Ticket und 1,50 Euro Hinterlegungsgebühr) war ich dabei und habe den mir den Film mit den Kommissaren Lannert und Bootz – also Richy Müller und Felix Klare – in toller Atmosphäre auf dem Schlossplatz angesehen. Es war ein schöner Abend, den Freund und Kollege Marc Hippler für die Stuttgarter Zeitung zusammengefasst hat.

Hier meine Eindrücke:

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Lässiger Tatort aus Stuttgart

Laute Musik, grölende Männer, schwitzende Fans: Mit einem Konzert in den Wagenhallen beginnt der Stuttgarter SWR-Tatort „Grabenkämpfe“, der am heutigen Ostermontag um 20.15 Uhr in der ARD erstmals gezeigt wird. Die Hauptkommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) sind zwar auch vor Ort, doch ahnungslos – den Mord am späten Abend können sie nicht verhindern.

In den Wagenhallen, eine kulturell-alternative Einrichtung in Stuttgart, treten zwar regelmäßig regional bekannte Künstler auf, dennoch sind sie von der Schließung bedroht. Bauunternehmer Walter Rühle (Rüdiger Vogler) will auf dem Gelände ein Wohnprojekt realisieren. Dass der Mord passiert – dem einen Wagenhallen-Geschäftsführer Stefan Aldinger wird eine Rohrzange über den Hinterkopf gezogen –, passt Rühle gut ins Konzept. Ebenso wie der spätere Tod des anderen Geschäftsführers Timo Holzmann (wunderbar schräg: Guntbert Warns), der zudem in Verdacht stand, seinen Partner aus dem Weg geräumt zu haben.

Neben Holzmann, Rühle, dessen treuem Justiziar Clemens Doll (mit nett-schwäbischem Dialekt: Hans Löw) und der kickboxenden Aldinger-Frau Elena (Jasmin Gerat) werden Lannert/Bootz plötzlich auch auf den schwulen Yoga-Lehrer und Kuratoren Julian Siebert aufmerksam. Der verhält sich sonderbar und baggert durch das Kunstmuseum schwebend zudem – an der Grenze des Homosexuellen-Klischees – den irritierten Hetero Thorsten Lannert an. „Beeindruckend“, sagt Lannert, meint aber eher die ausgehängte Kunst.

„Ich bin kein schwuler Ausrutscher“

Wer die beiden Wagenhallen-Geschäftsführer umgebracht hat, wird – wie es sich gehört – am Ende der kurzweiligen 90 „Tatort“-Minuten aufgeklärt. Dass Siebert zugibt, er sei „kein schwuler Ausrutscher – ich hab‘ nämlich auch Gefühle“, verbessert seine Aussichten nicht. War der verheiratete Aldinger denn dann etwa auch schwul?

Regisseur Zoltan Spirandelli wollte sich bei diesem „Tatort“ die aktuelle politische Situation in Stuttgart nicht entgehen lassen: Mit dem Filmtitel „Grabenkämpfe“, dem gierigen Bau einer hochwertigen Wohnsiedlung, einigen amüsanten Zitaten – Jurist Doll zum Bauprojekt: „Wenn der Bahnhof erst mal unter der Erde ist, ist das hier ’ne top Lage“ – sowie dem Einbau der Lokalpolitikerin Wilma Fuchs (Annedore Kleist) weist er deutlich auf die Diskussionen um das Großprojekt „Stuttgart 21“ hin.

Doch ist es Spirandelli gelungen, das komplexe und emotionale Problem in 90 ARD-Minuten zu packen? Eher nicht, ein netter und unterhaltsamer Versuch ist es aber geworden. Und dass der Zuschauer ein paar Original-Aufnahmen aus Stuttgart (etwa Kunstmuseum, Café vor den Königsbau Passagen, Rathaus) und der Region (Krankenhaus Ebersteinburg in Baden-Baden) zu sehen bekommt, ist immer schön. Gedreht wurde der Film im Juli und August 2010 in Stuttgart, Baden-Baden und Karlsruhe. Schade allerdings: Die langmähnig-schöne „Frau Staatsanwältin“ (Lannert) Emilia Alvarez (Carolina Vera) sieht man zu selten.

Mit gezogenen Akkuschraubern plötzlich vor der Tür

Was alle treuen „Tatort“-Fans aber freuen dürfte: Dass Duo Lannert/Bootz, das seit 2008 in bislang acht Fällen gemeinsam ermittelt hat, kommt sich immer näher. In ihrer Anfangszeit hatten sich die Beiden gelegentlich aneinander aufgerieben, Nebensächlichkeiten wurden zu großen Problemen aufgezickt.

Nun aber will der coole Frauentyp mit brauner Lederjacke und braunem Ledergürtel zur Bluejeans und Sonnenbrille im Buddy-Holly-Style – Sebastian Bootz eben – dem manchmal unbeholfenen und schiefnäsigen, aber schlauen Thorsten Lannert beim Kleiderschrank-Aufbau seiner Nachbarin helfen. Dass Beide mit gezogenen Akkuschraubern plötzlich vor ihrer Tür stehen und auf der Suche nach einem „gewissen Da Vinci“ (das Schrank-Modell) sind, gehört zu den größten Schmunzlern dieses Films.

Naja, und dass Lannerts Nachbarin den Schrank bereits alleine aufgebaut hat, stört auch niemanden. Der gute Wille zählt doch.

Den nächsten Tatort mit Lannert/Bootz will die ARD noch im Jahr 2011 ausstrahlen. Er wird „Das erste Opfer“ heißen.

Dieser Blogeintrag wurde auch online auf stuttgarter-nachrichten.de veröffentlicht.