Nach den Kriterien von 1963: Wenn der DFB heute die Bundesliga gründen würde…

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Traditionell gehört der VfB Stuttgart – hier ein Foto aus dem Inneren der Mercedes-Benz-Arena – zum Inventar der Fußball-Bundesliga.

Dass zum Start der Fußball-Bundesliga in der Saison 1963/64 nicht alles rund lief und sich der DFB besonders bei der Auswahl der 16 Mannschaften – den Gründungsmitgliedern – schwer tat, ist hinlänglich bekannt. Gladbach und der FC Bayern etwa gehörten damals nicht zu den auserwählten Klubs, dafür aber beispielsweise 1860 München, der MSV Duisburg und der 1. FC Saarbrücken.

Daran wieder einmal erinnert wurde ich durch den wunderbaren Text, den Sportjournalist Boris Herrmann für die Süddeutsche Zeitung unter der Überschrift „Rechnen bis zum Wunschergebnis“ (hier als PDF angehängt, leider nicht online auf süddeutsche.de – warum eigentlich nicht?) aufgeschrieben und nun veröffentlicht hat.

Besonders interessiert hat mich daran die Aufzählung der sonderbaren Kriterien, nach denen die Kommission unter dem Vorsitz des späteren DFB-Präsidenten Hermann Neuberger die 16er-Liga zur Premiere zusammenstellte.

Boris Herrmann zufolge wurde damals ein „bizarrer Qualifikationsmodus, die sogenannte Zwölfjahreswertung“ entwickelt: „Jeder Verein, der zwischen 1951 und 1963 in einer der fünf Oberligen spielte, erhielt pro Saison drei Punkte. Den Erstplatzierten der Abschlusstabellen wurden 16 Zähler gut geschrieben. Der Zweite bekam 15, und so weiter. Die Punkte aus den Jahren 1956 bis 1959 wurden verdoppelt, jene von 1960 bis 1963 verdreifacht. Für die Platzierungen in den Endrunden um die deutsche Meisterschaft gab es weitere Bonuspunkte. Der Meister und der Pokalsieger erhielten ferner 20 Zähler extra, die Finalisten 10.

Und diese Regelung habe ich nun einfach mal auf die vergangenen zwölf Jahre, also von der Bundesliga-Saison 2000/01 bis einschließlich der Saison 2011/12, auf 18 Mannschaften angewendet. Das wäre ja nun mal für den fiktiven Fall nötig, wenn der DFB auf die Idee käme, im Sommer 2013 einen Liga-Wettbewerb, nennen wir ihn verrückterweise „Fußball-Bundesliga“, starten wollen würde…

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„Kämpfen und siegen“ – ein Foto aus der Heimkabine des VfB Stuttgart.

Die entsprechenden Extrapunkte (für Meister und Vize, für Pokalsieger und Vize, Bundesliga-Zugehörigkeit, Verdoppelung der Saisons 06/07-08/09, Verdreifachung der Saisons 09/10-11/12) habe ich ebenfalls mit eingerechnet, die zweifelhaften regionalen Gesichtspunkte von vor 50 Jahren allerdings weggelassen. War auch so schon kompliziert genug.

Den sportlichen DFB-Kriterien aus dem Jahr 1963 folgend kommt im Spätherbst 2012 diese (Excel-)Tabelle heraus:

  1. FC Bayern München – 654 Punkte
  2. FC Schalke 04 – 435
  3. Borussia Dortmund – 421
  4. Werder Bremen – 395
  5. Bayer 04 Leverkusen – 365
  6. VfB Stuttgart – 340
  7. Hamburger SV – 266
  8. VfL Wolfsburg – 259
  9. Hannover 96 – 206
  10. Hertha BSC Berlin – 189
  11. 1. FC Nürnberg – 176
  12. Bor. Mönchengladbach – 150
  13. FSV Mainz 05 – 130
  14. Eintracht Frankfurt – 119
  15. 1. FC Kaiserslautern – 115
  16. SC Freiburg – 110
  17. TSG Hoffenheim 1899 – 108
  18. VfL Bochum – 104
  19. 1. FC Köln – 103
  20. Energie Cottbus – 58
  21. Arminia Bielefeld – 57
  22. Hansa Rostock – 52
  23. TSV 1860 München – 41
  24. Karlsruher SC – 26
  25. MSV Duisburg – 19
  26. FC Augsburg – 18
  27. Alemannia Aachen – 17
  28. 1. FC Union Berlin/FC St. Pauli – 10
  29. SpVgg Unterhaching – 6
  30. Fortuna Düsseldorf/SpVgg Greuther Fürth u.v.m. – 0

Also:

  • Dass die Bayern, Schalke, der BVB und Werder diese Tabelle der vergangenen zwölf Jahre anführen, ist nicht wirklich überraschend, holte das Quartett in diesem Zeitraum doch 21 der 24 Titel (Meister und DFB-Pokal). Lediglich der VfB Stuttgart (Meister 2007), der VfL Wolfsburg (Meister 2009) und der 1. FC Nürnberg (Pokalsieger 2007) konnten mal dazwischen grätschen.
  • Aus dem Teilnehmerfeld der Bundesliga 2012/13 wären lediglich der FC Augsburg (aktuell die zweite Saison im Oberhaus in der Vereinsgeschichte), die SpVgg Greuther Fürth  (aktuell die allererste Saison im Oberhaus) und Fortuna Düsseldorf (von 1999 bis 2009 dritt- oder viertklassig) nicht qualifiziert.
  • Der VfL Bochum würde doch überraschend und hauchdünn den Vorzug vor dem 1. FC Köln bekommen und wäre in der ersten Liga dabei. Ebenso wären die aktuellen Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern und Hertha BSC dabei.
  • Dass Hertha BSC Berlin als Hauptstadt-Vertreter die sportlichen Kriterien erfüllt, käme wahrscheinlich überall gut an.
  • Der 1. FC Union Berlin (noch nie in der Bundesliga dabei) taucht im obigen Ranking allein deswegen auf, da der Klub 2000/01 das DFB-Pokalfinale erreicht hatte.
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Besuch in Sinsheim: TSG 1899 Hoffenheim – FC Schalke 04 (1:1)

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Die Wirsol Rhein-Neckar-Arena kann ich auf der Liste der besuchten Fußball-Stadien abhaken – am Sonntag, 1. April, war ich nämlich zum ersten Mal im Stadion der TSG 1899 Hoffenheim in Sinsheim zu Besuch. Von Stuttgart aus über A81 und A6 dauerten Hin- und Rückfahrt jeweils nur 55 Minuten.

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Meine Kurzusammenfassung vom Besuch bei 1899 Hoffenheim:
Positiv:
– hübsches Stadion
– leckere Pommes, guter Hotdog
– Kein Verkehrsprobleme bei Hin- und Rückfahrt

Negativ:
– In der Stadionecke Südost, Block P, Reihe 39 blickt der Zuschauer von hinten auf eine Anzeigentafel, die andere sieht er nicht
– Auch die TSG hat eine eigene Fankarte, die so genannte „achtzehn99-Card“, die man aufladen muss (2 Euro Pfand!). Erst dann kann man im Stadionbereich Pommes, Cola etc. kaufen. Das ist umständlich
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Gegen den Tabellendritten Schalke 04 kamen die Gastgeber zu einem 1:1. Beide Treffer fielen per Elfmeter: Sejad Salihovic (29. Minute) traf für Hoffenheim, Klaas-Jan Huntelaar (80. Minute) für Schalke.

Hier ein Video vom 1:0-Führungstreffer der Hoffenheimer durch Salihovic:

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Weil’s so romantisch ist: Neuer, Sahin und Stanislawski heulen eben

Es ist arg kompliziert: Am Fußball-Saisonende geht’s um Geld, um Prestige, um Schicksale von Spielern oder auch ganzen Vereinen und – ja, tatsächlich – meist auch um große Emotionen. Um Jubel, aber auch auch um Trauer. Der gemeine Fußballer spricht da meist vom „Heulen“, welches als schwaches Verb gilt und direkt zum 96er-Europameister Andy Möller führt – was macht der eigentlich heute?

Egal, weg von Möller, hin zu einem anderen BVB-Kicker, einem Schalker Torwart und einem Hamburger Trainer. Denn Nuri Sahin, Manuel Neuer und Holger Stanislawski haben etwas gemeinsam: Diese Drei brachen kürzlich auf Pressekonferenzen mehr oder weniger in Tränen aus.

Sahin gab seinen erwarteten Wechsel von Überraschungsmeister Dortmund zum Weltklub Real Madrid, der kommende Welttorhüter Manuel Neuer (siehe Video) seine Nicht-Vertragsverlängerung bei Schalke und Trainer Stanislawski seinen Abgang vom finanziell armen, aber fan-reichen FC St. Pauli zur finanziell reichen, aber fan-armen TSG Hoffenheim bekannt.

(Video gefunden bei VfL1848News)

Alles logisch, alles verständlich, doch Vereinswechsel gehören zum Tagesgeschäft – trotz der Tatsache, dass Neuer schon immer ein Schalker ist und Stanislawski gefühlt schon immer ein Paulianer war und Sahin beim BVB vom Balljungen zum Star wurde.

Wird das Heulen nach freiwilligen Wechseln auf Ego-Pressekonferenzen nun zum Trend? Ich hoffe nicht. Denn der Profifußball und zum Teil auch bereits der Amateurfußball besteht aus vielen, vielen Nomaden, die meist dort hingehen, wo es das meiste Geld gibt. Das klingt populistisch, ist aber so. Und es ist nicht verwerflich. Es ist menschlich.

Dass die (medien-)erfahrenen Fußballprofis Sahin und Stanislawski nun freiwillig gehen und sich dadurch sportlich wie hoffentlich finanziell verbessern (Neuer wahrscheinlich ebenso, der Transfer zum FC Bayern ist aber immer noch nicht perfekt), bei der Bekanntgabe ihre Gefühle aber nicht unter Kontrolle behalten, ist doch ein Stück weit verwunderlich.

Na klar, war die Zeit wunderschön und voller Erfahrungen und überhaupt – sie müssen aber doch gar nicht weg, sie haben es selbst so entschieden. Und da sie ja einen wunderbaren Eindruck in Dortmund/St. Pauli hinterlassen haben, könnten sie ja theoretisch auch zurück. Alles also halb so wild. Kein Grund zum Weinen.

Christian Zaschke vom Magazin der Süddeutschen Zeitung stellt sich dazu gar die wunderbare Frage: „Was sollen diese Tränen?“ Der Journalist, der einer Kollegin mal zu 500.000 Euro bei „Wer wird Millionär?“ verhelfen konnte, schwankt bei diesem Thema: Einerseits findet er diese Fußballertränen „arg übertrieben“, andererseits, sagt er, sind gerade der BVB, S04 und Pauli „besondere Clubs“ mit einer „romatischen Idee“ und einer „innigen Beziehung von Fans und Verein“. Da hat er auch wieder Recht.

Also, das mit dem Heulen ist arg kompliziert. Ich sagte es bereits.

Keine Gladiolen mehr: Van Gaal ist dann mal weg

War es Vorhersehung? Eine Provokation? Oder eine Hommage an Hape Kerkeling? Oder doch nur einfach nur so dahergesagt dahergeschrieben?

Ex-Bayern-Held-Trainer Louis van Gaal jedenfalls wirbt auf der Homepage seines viel diskutierten und 50 Euro teuren Ego-Schinkens Buches „Louis van Gaal – Biographie und Vision“ mit dem bekannten wie beliebten Spruch: „Ich bin dann mal weg …“!

Danach folgt immerhin die Ergänzung – „… und beschäftige mich intensiv mit dem Feinschliff, um dem FC Bayern München auch in dieser Saison Klasse zu geben. Bis bald. Es dauert nicht lange!“ – die darauf schließen lässt, dass die Homepage im Frühsommer 2010 betextet wurde.

Ist aber auch egal, denn ein Großteil dieser Zeilen wirkt auch im Frühling 2011 plötzlich gut.

In der Rubrik „Kontakt“ werden die Fans des Fußballtrainers um Fairplay gebeten: „Treten Sie Louis van Gaal so entgegen, wie Sie sich selbst einen respektvollen Umgang wünschen.“ Das wird Uli Hoeneß wohl nicht gelesen haben.

Weiter steht geschrieben: „Ausgewählte Nachrichten wird Louis van Gaal persönlich beantworten.“ Die Zeit hätte er nun dazu. Also, bis bald, Mijnheer van Gaal. Die Gladiolen müssen Sie sich nun erstmal selber im Blumenladen kaufen.